Der Ausserortsbereich zwischen den Gemeinden Ober- und Niederbüren ist übersichtlich. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 80 km/h beschränkt. Anfang Juli 2010 lenkt ein Landwirt sein Gespann mit Traktor und Kreiselheuer von Niederbüren Richtung Oberbüren. Ihm kommt ein Lieferwagen entgegen. In einer leichten Linkskurve verliert der Lenker des Kleintransporters die Herrschaft über sein Fahrzeug und kollidiert mit dem korrekt fahrenden Landwirtschaftsgespann. Der Aufprall ereignet sich auf der Höhe des Hinterrades des Traktors. Durch die Wucht des Aufpralls wird der Kreiselheuer vom Traktor getrennt. Anschliessend kommt der Lieferwagen neben der Strasse auf der Wiese zum Stillstand. Die Fahrerkabine ist massiv zusammengedrückt und der Fahrer eingeklemmt. Das Steuerrad des Lieferwagens drückt den Fahrer in den Sitz. Der Kreiselheuer kommt ebenfalls auf der Wiese zum Stillstand und liegt teilweise auf dem Lieferwagen. Der Alarm geht um 13.41 Uhr bei der Feuerwehr Gossau ein.
Schwieriger Zugang
Um 13.54 Uhr ist die Feuerwehr Gossau mit Kowa, TLF und Rüstwagen und 20 Mann im neun Kilometer entfernten Niederbüren vor Ort. Für die Rettungskräfte stellt sich die Situation bei Eintreffen schwierig dar. Der Zugang zum eingeklemmten Fahrzeuglenker ist nur über die Beifahrertüre und dies nur im begrenzten Masse möglich. Die Erstversorgung wird durch das Team des Rettungsdienstes der Spitalregion Fürstenland Toggenburg sichergestellt, welches mit einem Rettungswagen mit zwei Rettungssanitätern und einem Anästhesist vor Ort ist. Um den Patienten schonend befreien zu können, muss zuerst der Kreiselheuer zur Seite geschafft werden. Dazu wird von einem benachbarten Bauernhof ein Teleskoplader organisiert. In Zusammenarbeit mit dem Besitzer des Teleskopladers kann das Gefährt entfernt und der Zugang zur Fahrertüre sicherstellt werden.
Verbrennungen durch Airbag
In Ansprache mit der Kantonspolizei soll die Hauptstrasse zwischen Niederbüren und Oberbüren vollumfänglich gesperrt und eine Umleitung betrieben werden. Die Ortsfeuerwehr Niederbüren übernimmt diese Aufgabe. Um 14.10 Uhr kann mit der Befreiung des Patienten begonnen werden. Nachdem das Fahrzeug gesichert, von der Stromversorgung getrennt und der 3-fache Brandschutz erstellt ist, wird im Bereich Fahrer begonnen, mit hydraulischem Werkzeug eine Öffnung herauszuschneiden. Die Türe wird entfernt. Danach kann mit einem hydraulischen Zylinder die Kabine zwischen A- und B-Säule langsam auseinandergedrückt werden. Dabei entdecken die Retter, dass der Patient im Bauchbereich Verbrennungen dritten Grades aufweist. Ursache dafür ist die abgesprengte Abdeckplatte des Airbags, die sich zwischen Steuerrad und Bauch des Lenkers verfangen hat. Der Beutel des Airbags ist ebenfalls durch die starke Hitzeeinwirkung der Platte grösstenteils verschmolzen. Die Brandwunde wird durch den Rettungsdient sofort erstversorgt. Gemeinsam kann der Patient nach 15 Minuten aus seiner misslichen Lage befreit werden. Mit dem Rettungswagen wird er mit Verdacht auf Frakturen am linken Bein sowie rechten Arm und einer Verbrennung im Bauchbereich ins Zentrumsspital überführt. Trotz des heftigen Aufpralls kommt der Traktorfahrer ohne jeden Kratzer davon.
Fazit
Bei Strassenrettungen gibt es praktisch keine Standard-Einsätze. Entscheidend ist, dass wenn immer möglich entsprechende Berufsleute an den Schlüsselstellen eingesetzt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Rettungskräften, insbesondere mit dem Rettungsdienst während der Befreiungsaktion funktionierte hervorragend. Gegenseitige Absprachen haben zur Optimierung der patientenschonenden Rettung beigetragen. Die Sperrung des Strassenabschnittes hat sich bewährt.
Eingesetzte Mittel:
Feuerwehr Gossau
1 Kowa
1 TLF
1 RW
20 AdF
Feuerwehr Niederbüren
1 TLF
1 MT
2 AdF für Verkehrsdienst
Rettungsdienst SRFT
1 Rettungswagen
1 Anästhesie-Einsatzfahrzeug (AEF)
2 Rettungssanitäter
1 Anästhesist
1 Transporthelfer
Kantonspolizei St. Gallen
3 Streifenwagen
6 Polizeibeamte
Oliver Caspari, Korrespondent KFV SG